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Zwischen zwei Heimatlosigkeiten (Teil III)

Zwischen zwei Heimatlosigkeiten (Teil III)
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Dawood Erfan

Teil 3

Malschwitz – ein kalter Winter und zäh dahinziehende Tage

Kaum zwei oder drei Tage nach meiner Unterschrift unter das Wohnungsangebot teilte man uns mit:

„Sie haben nur zwanzig Minuten Zeit. Packen Sie bitte schnell Ihre Sachen – Sie ziehen jetzt in Ihre neue Unterkunft.“

Überglücklich machten wir uns sofort daran, alles zusammenzupacken. Unsere Nachbarn waren gekommen, um sich von uns zu verabschieden, und die Kinder weinten.

Der Fahrer des Kleinbusses, der uns zu unserem neuen Ziel bringen sollte, war alles andere als freundlich. Er weigerte sich, unser gesamtes Gepäck mitzunehmen. So blieb fast die Hälfte unserer persönlichen Sachen im Aufnahmezentrum zurück, und niemand war bereit, die Kosten für ein weiteres Fahrzeug zu übernehmen.

Schließlich ließen wir unsere Habseligkeiten dort zurück – in der Hoffnung, sie später wiederzubekommen. Am nächsten Tag bat ich Qari Abdul Qadir, einen Landsmann, der in Chemnitz ein Restaurant betrieb und den ich bereits kannte, um Hilfe. Ohne zu zögern brachte er unsere Sachen zu uns. Erst nach langem Zureden war er überhaupt bereit, Geld für die Fahrt anzunehmen.

Qari Abdul Qadir gehört zu den aufrichtigsten Menschen, denen ich in Deutschland begegnet bin. Als Geistlicher ist er ein Vorbild an Güte und Bescheidenheit. Mit seiner warmherzigen und angenehmen Art gewinnt er jeden Menschen für sich. Nichts an ihm erinnert an die belehrende Strenge vieler Geistlicher unserer Heimat, und niemals verurteilt er andere.

Für alle Landsleute, die im Aufnahmezentrum Einsiedel untergebracht waren, brachte er kostenlos Qābuli Palau. In all den Jahren hat er vermutlich Hunderte Portionen dieses Gerichts verschenkt – ganz ohne Eigenwerbung, ohne Erwartungen und ohne jede Form der Selbstdarstellung.

Seine Hände sind stets offen, wenn jemand Hilfe braucht. Zu meinen schönsten Erinnerungen an ihn gehört ein Vortrag, den er bei einer Kulturveranstaltung der afghanischen Gemeinschaft in Dresden hielt. Darin empfahl er den Männern, ihren Frauen Wertschätzung zu zeigen und jeden Abend, wenn sie nach Hause kommen, einen Blumenstrauß mitzubringen.

Voller Hoffnung stiegen wir ins Auto und fuhren unserem neuen Schicksal entgegen.

Nach ungefähr zwei Stunden erreichten wir Bautzen – eine wunderschöne Stadt mit ihrer markanten Brücke und der weithin sichtbaren Burg. Als die Kinder die Stadt erblickten, jubelten sie laut. Auch ich atmete erleichtert auf.

Doch unsere Freude währte nicht lange.

Der Wagen verließ die Stadt, fuhr weiter durch eine von Wäldern umgebene Straße und hielt schließlich in Niedergurig bei Malschwitz – vor einer großen Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete.

Meine Frau sagte:

„Man hat uns belogen. Ich steige nicht aus. Uns wurde gesagt, wir bekämen eine Wohnung – und jetzt wollen sie uns schon wieder in einer Unterkunft unterbringen.“

Es dauerte einige Zeit, bis ich sie davon überzeugen konnte, dass diese Situation nur vorübergehend sei, wir bald eine Wohnung finden würden und unser normales Leben wieder beginnen könne.

Ich sprach kein Deutsch, und der Leiter der Unterkunft verstand mein Englisch nicht. Keine Stunde nach unserer Ankunft kam ein Landsmann zu uns.

Sein Verhalten war derart verletzend und abweisend, dass ich es vorzog, mithilfe der Übersetzungsfunktion meines Handys direkt mit dem Heimleiter zu sprechen, anstatt mich auf jemanden zu verlassen, dessen Verhalten von offener Ablehnung geprägt war.

Nach unserem Gespräch erklärte sich die Heimleitung bereit, uns einen eigenen Wohnbereich zur Verfügung zu stellen. Er bestand zwar lediglich aus zwei Zimmern und einem Gemeinschaftsraum, doch wir sagten uns, dass wir ohnehin nicht lange hier bleiben würden.

Also mussten wir uns mit den Umständen arrangieren.

Ich rief Ramin Rahimi an, einen meiner ehemaligen Studenten aus Herat, von dem ich wusste, dass er inzwischen in Bautzen lebte. Als ich ihm erzählte, wo wir untergebracht worden waren, sagte er ruhig:

„Herr Professor, Sie müssen etwas Geduld haben. Normalerweise bleiben die Menschen hier eine Zeit lang, bis eine Wohnung gefunden wird. Machen Sie sich keine Sorgen – bald wird auch für Sie eine Wohnung frei.“

Mein Sohn Mohammad meinte nur:

„Typisch unser Glück! Für alle anderen aus Einsiedel wurde sofort eine Wohnung gefunden. Nur wir wurden wieder in ein Heim verlegt.“

Ich selbst hatte bereits drei weitere Fluchten erlebt.

Ein Leben ohne festen Wohnort schien zu meinem Schicksal zu gehören. Deshalb war mir vieles von dem, was nun geschah, nicht fremd.

Ich hatte ähnliche Situationen bereits erlebt. Für meine Kinder hingegen, die bis dahin in vergleichsweise stabilen Verhältnissen aufgewachsen waren, war diese neue Wirklichkeit kaum zu begreifen.

Ein großer Teil meiner Aufgabe bestand nun darin, ihnen verständlich zu machen, dass das Leben eines Geflüchteten eigenen Regeln folgt und dass man lernen muss, sich diesen neuen Umständen anzupassen.

Mohammad hatte sich schon vor unserer Ankunft intensiv mit dem Westen beschäftigt. Er hatte Bücher gelesen, Filme gesehen und sich ein insgesamt schönes und idealisiertes Bild vom Leben hier gemacht.

Umso schwerer fiel es ihm, die Realität zu akzeptieren.

Ein erheblicher Teil meiner Kraft floss in lange Gespräche mit ihm, in denen ich versuchte, das idealisierte Bild, das er vom Westen entwickelt hatte, behutsam durch die Wirklichkeit zu ersetzen.

Parastu, Sorosh und Mahsa beklagten sich dagegen kaum. Vielleicht tröstete sie der Gedanke, dass wir schon bald in eine eigene Wohnung ziehen würden. Die erste große Herausforderung war die Schulbildung unserer Kinder.

Doch das Bildungssystem Sachsens ist eine Geschichte für sich – und in vielen Fällen wirkt es sich zum Nachteil der Kinder von Geflüchteten aus.

In Sachsen können Schülerinnen und Schüler nur bis zum Alter von achtzehn Jahren eine allgemeinbildende Schule besuchen. In einigen anderen Bundesländern besteht diese Möglichkeit hingegen sogar bis zum dreiundzwanzigsten Lebensjahr. So kommt es vor, dass Kinder von Migrantinnen und Migranten gegen ihren Willen von allgemeinbildenden Schulen auf berufsbildende Schulen wechseln müssen.

In anderen Fällen verlieren sie allein deshalb die Möglichkeit, ihren bisherigen Bildungsweg fortzusetzen, weil sie das achtzehnte Lebensjahr erreicht haben.

Autor

داوود عرفان

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