{"id":3035,"date":"2024-06-10T03:07:45","date_gmt":"2024-06-09T22:37:45","guid":{"rendered":"https:\/\/gozaare.com\/?p=1059"},"modified":"2024-06-10T03:07:45","modified_gmt":"2024-06-09T22:37:45","slug":"der-dichter-firdusi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gozaare.com\/de\/der-dichter-firdusi\/","title":{"rendered":"Der Dichter Firdusi"},"content":{"rendered":"<p><strong>DER DICHTER FIRDUSI<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p>Goldne Menschen, Sibermenschen!<\/p>\n<p>Spricht ein Lump von einem Thoman,<\/p>\n<p>Ist die Rede nur von Siber,<\/p>\n<p>Ist gemeint ein Silberthoman.<\/p>\n<p>Doch im Munde eines F\u00fcrsten,<\/p>\n<p>Eines Schaches, ist ein Thoman<\/p>\n<p>G\u00fclden stets; ein Schach empf\u00e4ngt<\/p>\n<p>Und er gibt nur goldne Thoman.<\/p>\n<p>Also denken brave Leute,<\/p>\n<p>Also dachte auch Firdusi,<\/p>\n<p>Der Verfasser des ber\u00fchmten<\/p>\n<p>Und verg\u00f6tterten Schach Nameh.<\/p>\n<p>Dieses gro\u00dfe Heldenlied<\/p>\n<p>Schrieb er auf Gehei\u00df des Schaches<\/p>\n<p>Der f\u00fcr jeden seiner Verse<\/p>\n<p>Einen Thoman ihm versprochen.<\/p>\n<p>Siebzehnmal die Rose bl\u00fchte,<\/p>\n<p>Siebzehnmal ist sie verwelket,<\/p>\n<p>Und die Nachtigall besang sie<\/p>\n<p>Und verstummte siebzehnmal &#8211;<\/p>\n<p>Unterdessen sa\u00df der Dichter<\/p>\n<p>An dem Webstuhl des Gedankens,<\/p>\n<p>Tag und Nacht, und webte emsig<\/p>\n<p>Seines Liedes Riesenteppich &#8211;<\/p>\n<p>Riesenteppich. wo der Dichter<\/p>\n<p>Wunderbar hineingewebt<\/p>\n<p>Seiner Heimat Fabelchronik,<\/p>\n<p>Farsistans uralte K\u00f6nge,<\/p>\n<p>Lieblingshelden seines Volkes,<\/p>\n<p>Rittertaten, Avent\u00fcre,<\/p>\n<p>Zauberwesen und D\u00e4monen,<\/p>\n<p>Keck umrankt von M\u00e4rchenblumen \u2013<\/p>\n<p>Alles bl\u00fchend und lebendig.<\/p>\n<p>Farbengl\u00e4hend, brennend,<\/p>\n<p>Und wie himmlisch angestrahlt<\/p>\n<p>Von dem heilgen Lichte Iran,<\/p>\n<p>Von dem g\u00f6ttlich reinen Urlicht,<\/p>\n<p>Dessen letzter Feuertempel,<\/p>\n<p>Trotz dem Koran und dem Mufti.<\/p>\n<p>In des Dichters Herzen flammte.<\/p>\n<p>Als vollendet war das Lied,<\/p>\n<p>\u00dcberschickte seinem G\u00f6nner<\/p>\n<p>Der Poet das Manuskript,<\/p>\n<p>Zweimalhunderttausend Verse.<\/p>\n<p>In der Badestube war es,<\/p>\n<p>In der Badestub zu Gasna.<\/p>\n<p>Wo des Schaches schwarze Boten<\/p>\n<p>Den Firdusi angetroffen \u2013<\/p>\n<p>Jeder schleppte einen Geldsack,<\/p>\n<p>Den er zu des Dichters F\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Knieend legte, als den hohen<\/p>\n<p>Ehrensold f\u00fcr seine Dichtung.<\/p>\n<p>Der Poet ri\u00df auf die S\u00e4cke<\/p>\n<p>Hastig, um am lang entberhrten<\/p>\n<p>Goldesanblick sich zu laben &#8211;<\/p>\n<p>Da gewahrt er mit Best\u00fczung,<\/p>\n<p>Da\u00df der Inhalt dieser S\u00e4cke<\/p>\n<p>Bleiches Silber, Silberthomans<\/p>\n<p>Zweimalhunderttausend etwa &#8211;<\/p>\n<p>Und der Dichter lachte bitter.<\/p>\n<p>Bitter lachend hat er jene<\/p>\n<p>Summe abgeteillt in drei<\/p>\n<p>Gleiche Teile, und jedwedem<\/p>\n<p>Von den beiden schwarzen Boten<\/p>\n<p>Schenkte er als Botenlohn<\/p>\n<p>Solch ein Drittel, und das dritte<\/p>\n<p>Gab er einem Badeknechte,<\/p>\n<p>Der sein Bad besorgt, als Trinkgeld<\/p>\n<p>Seinen Wanderstab ergiff er<\/p>\n<p>Jetzo und verlie\u00df Hauptstadt;<\/p>\n<p>Vor dem Tor hat er den Staub<\/p>\n<p>Abgefegt von seinen Schuhen.<\/p>\n<p>\u00bbH\u00e4tt er menschlich ordin\u00e4r<\/p>\n<p>Nicht gehalten, was versprochen<\/p>\n<p>H\u00e4tt er nur sein Wort gebrochen,<\/p>\n<p>Z\u00fcrnen wollt ich nimmermehr.<\/p>\n<p>&lt;Aber unverzeihlich ist,<\/p>\n<p>Da\u00df er mich get\u00e4uscht so schn\u00f6de<\/p>\n<p>Durch den Doppelsinn der Rede<\/p>\n<p>Und des Schweigens gr\u00f6\u00dfte List.<\/p>\n<p>&lt;Stattlich war er, w\u00fcrdevoll<\/p>\n<p>Von Gestalt und von Geb\u00e4rden,<\/p>\n<p>Wen&#8217;ge glichen ihm auf Erden,<\/p>\n<p>War ein K\u00f6nig jeder Zoll.<\/p>\n<p>&gt; Wie die Sonn am Himmelsbogen,<\/p>\n<p>Feuerblicks, sah er mich an,<\/p>\n<p>Er, der Wahrheit stolzer Mann &#8211;<\/p>\n<p>Und er hat mich doch belogen,&gt;<\/p>\n<p>Schach Mahomet hat gut gespeist,<\/p>\n<p>Und gut gelaunet ist sein Geist.<\/p>\n<p>Im d\u0103mmernden Garten, auf purpurnem Pf\u00fchl,<\/p>\n<p>Am Springbrunnen sitzt er. Das pl\u00e4tschert so k\u00fchl!<\/p>\n<p>Die Diener stehen mit Ehrfurchtsmienen;<\/p>\n<p>Sein Liebling Ansari ist unter ihnen.<\/p>\n<p>Aus Marmorvasen quillt hervor<\/p>\n<p>Ein \u00fcppig brennender Blumenflor.<\/p>\n<p>Gleich Odalisken anmutiglich<\/p>\n<p>Die schlanken Palmen f\u00e4chern sich.<\/p>\n<p>Es stehen regungslos die Zypressen,<\/p>\n<p>Wie himmeltr\u00e4umend, wie weltvergessen.<\/p>\n<p>Doch pl\u00f6tzlich erklingt bei Lautenklang<\/p>\n<p>Ein sanft geheimnisvoller Gesang.<\/p>\n<p>Der Schach f\u00e4hrt auf, als wie behext &#8211;<\/p>\n<p>Von wem ist dieses Liedes Text?<\/p>\n<p>Ansari, an Welchen die Frage gerichtet,<\/p>\n<p>Gab Antwort: Das hat Firdusi gedichtet.<\/p>\n<p>Firdusi? &#8211; rief der F\u00fcrst betreten<\/p>\n<p>Wo ist er? Wie geht es dem gro\u00dfen Poeten?<\/p>\n<p>Ansari gab Antwort: In D\u00fcrftigkeit<\/p>\n<p>Und Elend lebt er seit langer Zeit<\/p>\n<p>Zu Thus, des Dichters Vaterstadt,<\/p>\n<p>Wo er ein kleines G\u00e4rtchen hat.<\/p>\n<p>Schach Mahomet schwieg, eine gute Weile.<\/p>\n<p>Dann sprach er: Ansari, mein Auftrag hat Eile \u2013<\/p>\n<p>Geh nach meinen St\u00e4llen und erw\u00e4hle<\/p>\n<p>Dort hundert Maultiere und funfzig Kamele.<\/p>\n<p>Die sollst du belasten mit allen Sch\u00e4tzen<\/p>\n<p>Die eines Menschen Herz erg\u00f6tzen,<\/p>\n<p>Mit Herrlichkeiten und Rarit\u00e4ten,<\/p>\n<p>Kostbaren Kleidern und Hausger\u00e4ten<\/p>\n<p>Von Sandelholz, von Elfenbein,<\/p>\n<p>Mit g\u00fcldnen und sibernen Schnurrpfeiferein,<\/p>\n<p>Kannen und Kelchen, zierlich gehenkelt,<\/p>\n<p>Lepardenfellen, gro\u00df gesprenkelt,<\/p>\n<p>Mit Teppichen, Schals und reichen Brokaten,<\/p>\n<p>Die fabriziert in meinen Staaten \u2013<\/p>\n<p>Vergi\u00df nicht, auch hinzuzupacken<\/p>\n<p>Gl\u00e4nzende Waffen und Schabracken,<\/p>\n<p>Nicht minder Getr\u00e4nke jeder Art<\/p>\n<p>Und Speisen, die man in T\u00f6pfen bewahrt,<\/p>\n<p>Auch Konfit\u00fcren und Mandeltorten<\/p>\n<p>Und Pfefferkuchen von allen Sorten.<\/p>\n<p>F\u00fcge hinzu ein Dutzend G\u00e4ule,<\/p>\n<p>Arabischer Zucht, geschwind wie Pfeile,<\/p>\n<p>Und schwarze Sklaven, gleichfalls ein Dutzend,<\/p>\n<p>Leiber von Erz, strapazentrutzend.<\/p>\n<p>Ansari, mit diesen sch\u00f6nen Sachen<\/p>\n<p>Sollst du dich gleich auf die Reise machen.<\/p>\n<p>Du sollst sie bringen nebst meinem Gru\u00df<\/p>\n<p>Dem gro\u00dfen Dichter Firdusi zu Thus.<\/p>\n<p>Ansari erf\u00fcllte des Herrschers Befehle,<\/p>\n<p>Belud die M\u00e4uler und Kamele<\/p>\n<p>Mit Ehrengeschenken. die wohl den Zins<\/p>\n<p>Gekostet von einer ganzen Provinz.<\/p>\n<p>Nach dreien Tagen verlie\u00df er schon<\/p>\n<p>Die Residenz, und in eigner Person,<\/p>\n<p>Mit einer roten F\u00fchrerfahne,<\/p>\n<p>Ritt er voran der Karawane.<\/p>\n<p>Am achten Tage erreichten sie Thus;<\/p>\n<p>Die Stadt liegt an des Berges Fu\u00df.<\/p>\n<p>Wohl durch das Wessttor zog herein<\/p>\n<p>Die Karawane mit L\u00e4men und Schrein.<\/p>\n<p>Die Trommel scholl, das Kuhhorn klang,<\/p>\n<p>Und laut aufjubelt Triumphgesang.<\/p>\n<p>La llla Allah! aus voller Kehle<\/p>\n<p>jauchzten die Treiber der Kamele.<\/p>\n<p>Doch durch das Osttor, am andern End<\/p>\n<p>Von Thus, zog in demselben Moment<\/p>\n<p>Zur Stadt hinaus der Leichenzug,<\/p>\n<p>Der den toten Firdusi zu Grabe trug.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DER DICHTER FIRDUSI Goldne Menschen, Sibermenschen! Spricht ein Lump von einem Thoman, Ist die Rede nur von Siber, Ist gemeint ein Silberthoman. Doch im Munde eines F\u00fcrsten, Eines Schaches, ist ein Thoman G\u00fclden stets; ein Schach empf\u00e4ngt Und er gibt nur goldne Thoman. Also denken brave Leute, Also dachte auch Firdusi, Der Verfasser des ber\u00fchmten\u2026<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[575],"tags":[],"class_list":["post-3035","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gozaare.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3035","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gozaare.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gozaare.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gozaare.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gozaare.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3035"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/gozaare.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3035\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gozaare.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3035"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gozaare.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3035"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gozaare.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3035"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}